Zur Scheinform des Clubs

„Denn erstens ist die Bewegungsästhetik von Pop (Tanzen, body politics) ein so gut wie alle Stücke in der einen oder anderen Weise querendes Thema. Und zweitens baumelt daran die Frage nach den „Bewegungen“ als sozialästhetischer Klammer und Ort dieses Bewegens. Auch Saalschutz meinen nicht nur das Tanzbein, wo sie über Bewegung sprechen. Sie meinen auch: Community, Party und die daraus entstehende Bewegung, an die PoptheoretikerInnen vor mehr als zehn Jahren beinahe panisch glauben wollten. Leider hat sich diese aber wie alle Bewegungspositionen als Leerform erwiesen. Zumindest da, wo sie nicht durch eine Abgrenzungspraxis – und damit: Reflexion über die eigene Form und ihren Inhalt – befestigt wurde. Denn kurz später wurde der Club wieder der soziale Ort, wo nach sexistischen Kriterien gecastete ZigarettenmarkenpröbchenverteilerInnen rumliefen.
Saalschutz verbleiben meist strikt im Radius der realen Tanzfläche dieses Clubs und auf der abgezirkelten virtuellen, auf der sich die Positionsgespräche von Clubkultur bewegen. Schlagworte und midlifekriselnde Kampfrufe (das ganze „Shake your…“– und „Move your…“– Gedöns) dieser Kultur werden noch bzw. wieder einmal auf manchmal sogar ganz nett angespitzte, manchmal auch nur zeitgeiststumpfe Neo-Disco-Klopper drapiert. Mikropolitik als Bonsaipolitik. Aber egal, schütten Sie einfach ein bisschen abgestandene Euphorie und ein paar halblustige und halbschlaue Reime über die ramponierten Widersprüche, und die sehen wieder aus wie neu. Dieser spezifischen Form von Polit-Pfusch verdanken sich ja viele Linke-Ikonen-Wannabe-Projekte der Gegenwart.

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