Archiv der Kategorie 'damals in der jugend'

Immer diese Widersprüche

Nicht nur ein Nebenwiderspruch, dass lernte ich ziemlich früh in meiner ersten Politgruppe, war das Schwanzpatriarchat, welches gleichsam perfide und pervers die Frauen dieser Welt versklavte. Der Leser oder die Leserin sei hier noch einmal auf die beinharte politsozialisation eines großen sexTeils der stalker-Redaktion verwiesen. So trug es sich zu, dass ich als Newcomer der stalinistischen Kommie-Szene gegen meinen Willen sofort als Mann definiert wurde und folgerichtig die Schnauze zu Frauenthemen zu halten hatte. Tat ich auch, Sexualität war bis dahin ja eh nie so mein Ding gewesen und zur Not ging ich halt einfach auf eine Party von unpolitischen Freunden und erzählte der autonomen Sexpolizei nichts davon. Hier lebte ich weiterhin meine Asexualität und potentielle Täter Rolle, schweigsam, genügsam, freundlich und nett. Nach einiger Zeit, ich war zwischenzeitlich in eine Polit WG gezogen, entspannte sich das alles ein wenig und ich sex2 begann ein Vehältnis mit einer meiner Mitbewohnerin. Was heißt ich begann….? Das hätte ich mich nie getraut, schließlich wäre das sicher schnell Belästigung gewesen. Eines Abends beim kiffen lehnte sie sich an mich und begann an meinen Eiern zu spielen. Damals wunderte ich mich etwas, schließlich war es bei uns doch eigentlich Konsens, dass eine Person vor jeder Berührung, Umarmung, Kuss, Handschlag etc. den Anderen fragt, ob dies okay war. Naja, dachte ich, wäre ja auch irgendwie uncool wenn sie vorher gefragt hätte und überhaupt, vielleicht gilt das für Frauen ja gar nicht. Wir waren bald ein Paar, auch wenn wir nicht viel machten, ausser vögeln. Der Rest war ja auch eigentlich durch die Gruppe bestimmt und vor denen zeigten wir selbstverständlich keinerlei menschliche Zuneigung, keiner machte das bei uns, es schickte sich nicht.
Einige Monate später war sie nicht beim Plenum und ich machte mir große Sorgen, ich hatte sie morgens noch gesehen. Naziübergriff dachte ich zuerst und eilte nach Hause. Auf dem Weg kam mir der Gedanke, sie sei mal wieder in eine ihrer depressiven Phasen, egal ich musste es wissen. Sie war zuhaus und sie hatte auch keine Depressionen. Ich hörte eine andere Stimme aus dem Zimmer, es war die von einem verlausten Drogenrasta aus der Subszene, bekannt für sex3 Geschlechtskrankheiten, mangelnde Körperhygiene und sein scheiß Verhalten Frauen gegenüber. Jetzt dämmerte es mir, der poppt gerade meine hardcore Feministin. Und wie. Ich konnte das Gestöhne und Gekreische nicht ertragen und ging mit hängenden Schultern in die Küche. Ich musste mich setzten. Eine Träne lief mir die Wange runter, ich hasste mich selbst weil ich innerlich einen Besitzanspruch auf sie erhoben habe und weil ich die Ideale nicht mehr verstand, die doch gerade sie immer so vehement vertrat. Oder doch nicht? Es leuchtete mir ein, was sie tat war Emanzipation, ich durfte sowas natürlich nicht, es wäre abfuckerei gewesen. Gesellschaftlich bedingt und so hatten Frauen ja eine viel schwierigere, prekärere Situation. Ja klar, es leuchtete mir ein und ich versuchte krampfhaft damit klar zu kommen.
Plötzlich betrat er den Raum, nackt und mit schmutzigen Füßen (im Sommer lief er immer Barfuß). Er grinste mich an, ich sah seine Schuppenflechte im Intimbereich und seinen verklebten Schwanz. Alles klar Kumpel, fragte er mich und ich nickte und versuchte auch so zu grinsen wie er. Er streckte sich vor dem Kühlschrank, mir den Arsch zugewandt und verschnaubte. Dann nahm er sich meinen letzten Lieblingsdiät-Joghurt und verzog sich mit seinem Grinsen wieder zu meiner Genossin. Ich fragte mich nur was ich jetzt tun sollte, ich musste hart sein und zeigen, dass ich voll hinter der Emanzipation der Frau stand. Dann kam sie rein, na – schon zurück vom Plenum? Ich hörte gar nicht richtig hin, denn was musste ich da sehen? Sie hatte meinen lieblingsdiät-Joghurt auf den Brüsten verteilt und turnte so vor mir durch die Küche, als wäre nichts geschehen. Wo ist die Schokocreme? Fragte sie, wir haben doch noch welche, oder? Jetzt oder nie dachte ich und versuchte meinen geliebten Joghurt von ihrer Brust zu lecken. Da packte mich der Rastatyp von hinten und schlug mir ins Gesicht. Während ich Sterne sah schnautzte er mich an, ob ich keinen Respekt vor Frauen hatte. Ach lass ihn, er war schon immer ein Weichei, sagte meine Angebetete und die beiden verzogen sich mit der Schokocreme. Dieser Abend besiegelte bei mir nicht nur einen Auszug, einen Rausschmiss aus der Politgruppe und einen Vorwurf des sexuellen Übergriffs, nein er besiegelte auch mein Coming-out.

„Dicke Mädchen hat der Himmel geschickt“

Der große Wettkampf um das beschissenste Lied ist ja schon vorbei, trotzdem möchten wir Euch den Gassenhauer der stalker-Redaktion nicht vorenthalten. Ein Gegenpol zu Schlankheitswahn, Marius Müller Westernhagen und den ganzen Anglizismen. Ach waren das noch Zeiten…

Mein Kampf gegen die Kunst

Unfortunately, life is not a porno.

Nie war ich ein großer Freund von so genannten Experimentalfilmen im Allgemeine, wenn man diese Unterscheidung uns Kategorisierung und Genres oder Gattungen betreiben möchte. Ich hielt es eigentlich immer eher mit dem mir verbunden „Ich entscheide selbst was mir gefällt“. Die hektische Einordnung in Stereotype nehmen nur die zwanghaft vor, die nichts besseres mit dem eröffneten Material anzufangen wissen. Jedoch bin ich grundsätzlich Fan von britischen Filmen und mit Pasolini verbindet mich auch mehr als nur Begeisterung. Nun trug es sich zu, dass ich vor ein paar Jahren an einer nicht näher genannten Hochschule in einem Seminar saß, mein Bier trank und dem Streifen harrte, der da heute kommen sollte. Das opportunistische duckmäuser-Studententum um mich herum schaute gespannt durch seine Armani Brillen, bereit für jeden Scheiß zu klatschen. Auch heute noch habe ich große Probleme mit derartigem Künstlervolk. Wir sahen „Achtung – die Achtung (concentration chair)“ von Michael Brynntrup. Ich musste schmunzeln als der Darsteller uns sein Arschloch zeigte, um das herum eine Sonne tätowiert war. Minutenlang turnte der gute Mann da auf seinem Stuhl herum, die Tattoos wurden mehr und mehr und ich malte mir im Kopf das dumme Gelaber aus, welches sich nach dem Film höchstwahrscheinlich wieder ergießen würde. „Körperlichkeit…Abstrakt…einmalige Ästhetik…blablabla…die Armanibrillenträger waren begeistert. So saßen wir da alle und ich hielt mich an meinem Bier fest. Doch als sich der gute Mann dann Nadeln in seinen Sack zu stecken begann prustete es aus mir heraus. Ich fing laut an zu lachen, ich konnte nicht anders und bemerkte noch wie die Armanibebrillten Köpfe sich umdrehten. Welch ein Tabubruch! Wie konnte man über diese „höhere Kunst“ nur lachen? Schnell schauten sie betroffen wieder auf die Leinwand oder den Boden. Fester umklammerte ich mein Bier und versuchte ruhig zu sein doch es ging nicht. Längst hatte die ganze Szenerie einen derart lächerlichen Charakter bekommen, dass ich mich in meinem Kopf von aussen sah und die Anderen auch. Ich kann und konnte die Komik des Augenblickes nicht erklären, jedoch spürte ich sie damals förmlich. Da inszeniert jemand wie der Brynntrup einen Tabubruch, ein großartiges Plädoyer für selbstbestimmte Lust und Masochismus. Dann reagiert mal ein Jüngling ehrlich und Lacht einfach los, schon sieht das Armani-Establishment seine eigene Diskurshoheit und autoritäres Kunstverständnis gefährdet. Ich musste halt Lachen, was solls? Selbstverständlich war ich nun der dumme Junge aus der letzten Reihe, jemand der hier falsch war, dem die platten Metaebenen der Kunst-Kaste für immer verborgen bleiben sollte. Ich trank mein Bier aus und sah mir noch den Rest an. Ein Fan dieses Films bin ich nicht mehr geworden, mittlerweile kann ich mit Brynntrup aber mehr anfangen. Das Gespräch im Anschluss verlief wie ich es mir ausgemalt hatte und zuhause sah ich mir erstmal „Saló“ zur Verdauung an. Wer mal die Möglichkeit hat einen Film von Michael Brynntrup zu sehen, dem kann ich das uneingeschränkt empfehlen!

damals round two

Damals die zweite
Lang ist es her, da war auch Ich jung. Gerade den Kinderschuhen entwachsen, die Caught in the Act Maxi gegen das Wizo Album getauscht, stand es fest: Ich werde Linker. Einer musste die Welt ja retten. Die RAF gab es nicht mehr, die hatte sich gerade frisch aufgelöst und auch das Proletariat sprengte noch nicht seine Ketten, da musste nachgeholfen werden. Und ich fing damit in meinem dreihundert Seelen Dorf an. Klebte Aufkleber, bemalte meine Schulbücher mit Parolen wie Viva la Revolution oder Punks not Dead und diskutierte eifrig im Sozialkundeunterricht auf dem kleinstädtischen Gymnasium, um geben von anderen Bürgerjungs und -mädchen, mit dem Wissen sowjetischer Marxismus Bücher gestärkt.

Es war eine schwerwiegende und weitreichende Entscheidung das mit dem Links sein wie ich nach Jahren feststellte: Politik war meine Jugend. Während sich Klassenkameraden zum Pornogucken trafen, versuchte ich Sie durch flammenende Reden davon zu überzeugen das Sexismus und damit Pornos nicht ok waren. Die tranken Alkohol und machten Party, naja zumindest was sie dafür hielten, ich verbrachte meine Zeit auf Plenas, ging Freitag früh ins Bett um auf jeder Demo dabei zu sein gegen Nazis, Rassismus und für die Weltrevolution und nachts träumte ich vom Steine werfen anstatt von Klassenkameradinnen. Das einzige was Ich mir gönnte war das Kiffen. Denn Kiffen das taten schon die 68er und die waren ja alle links gewesen. Und es war rebellisch und nicht so Mainstream wie der Alkohol.
So kam es das ich meine Jugend anstatt mit Muschis und Titten, Sport oder Ballermann auf Sexismus-Seminaren, regionalen Treffen oder mit Joints im Mund auf Solikonzerten für die Befreiung der Völker verbrachte. Insgesamt eine unbeschwerte Zeit voller Anekdoten ohne Spaßgesellschaft und deren Begleiterscheinungen.

Spiele unter Jungen

pissen
Als ich noch ein frecher Jüngling war, mit vollem Haar und frechem Bubengesicht, dünnen aber vollen Haaren, wenigen Pickeln aber sonst reiner Haut, wenigstens nicht so grobporig und vom Alkohol aufgedunsen wie heute, da habe ich mal einen Sport betrieben. Ein körperlich anspruchsvoller Sport aufreibend, gemein, körperlich. Leider war ich damals zu dünn, oder zu leicht für diesen Sport – ein Werturteil, dass ich in der Vergangenheit zu vermissen gelernt habe. Nunja, ich betrieb diesen Sport und wir hatten in dem Ort, in dem ich gelebt habe eine recht gute Gemeinschaft. Nicht gerade das gelbe vom Ei oder Leute mit denen ich unbedingt jeden Augenblick meiner Freizeit verbringen wollte. Einige dieser Leute sind mittlerweile regelrechte Verfallserscheinungen auf zwei Beinen, auch wenn sie auf diesen mittlerweile nur noch wenig ihrer Zeit verbringen. Aber damals waren wir noch unbesprungene Rehe, beschäftigten uns mit dem ersten Mal, Penissen, Muschis oder Eisspray. Aber zu diesen Themen vielleicht ein anderes mal mehr. Heute soll es um die Geldprobleme von einem von uns gehen.
Während er Geldprobleme hatte und andere schon fest in ihrer Ausbildung mit regelmäßigen Einkommen saßen, beschloß er wohl den anderen etwas von ihren Reichtum gegen Stolz abzukaufen. So machte er eine Liste mit Dingen, die man mit ihm für Geld machen konnte. Einmal ins Gesicht schlagen 3 Mark, einmal an den Haaren ziehen 4 Mark und so weiter. Aber so gewalttätig wollte ja keiner sein. Wir amüsierten uns köstlich beim Gequatsche nach dem Training über diese Liste. Unglaublich wie unnötig zu erwähnen, dass der Freund das Geld für Zigaretten und Alkohol brauchte – das hieß für uns damals Party, also Freiheit. Schließlich Der besagte blonde, und auch ziemlich lang geratene Azubi nun erbarmte sich nach einigem Gelächter schließlich seinem armen Kumpel bei seinem Geldproblem zu helfen. Wir gingen zurück in die Duschräume und der Junge mit den Geldproblemen legte sich völlig entblößt auf den kalten Boden der Duschräume, auf die wir Minuten zuvor noch gespuckt hatten und unsere Schamhaare in frisch gewachsenen Büscheln in Massen in den Abfluss rinne. Er legte sich dort nackt hin und sein Körper begann wegen der Kälte zu zucken. Der Rest der Mannschaft posierte sich drumherum und war gebannt vor Spannung. Alleine der Anblick des Mannschaftskameraden der sich da so würdelos auf dem unpersönlichen Boden mit seinem nackten Arsch herumrieb und mit seinen Augen der Dinge harrte die da kommen mögen würden.
macht
Er sollte sich bald zehn Mark verdient haben, doch zunächst mussten mit dem blonden Hühnen noch die genauen Spielregeln abgesprochen werden. Sie lauteten, aber nicht in den Mund! Noch immer standen wir gebannt da, wir waren eher in Unterhose als nackt und fühlten uns vielleicht daher überlegen, vielleicht lag es aber auch an dieser schon damals sehr männlich-kräftigen Person, die sich nackt und schutzlos auf dem Boden wälzte. Nur der lange Blonde war ebenfalls nackt. Er überragte gerade durch seine Größe den am Boden liegenden noch umso mehr. Er sah uns in die Augen, versuchte sich zu konzentrieren und hielt dabei seinen Penis die ganze Zeit in der Hand, während der Junge am Boden seinen Körper derart anspannte, dass man schon fast von Krämpfen sprechen kann. Blondi wendete seinen Blick von uns ab und sah sein Opfer konzentriert an. Dabei massierte er seinen Penis, wie um sich selbst zu beruhigen. Als plötzlich der leicht gelbe Strahl auf den armen 10 Mark Verdiener herunterprasselte fingen einige an zu johlen, er selbst kniff die Augen zusammen und hielt die Luft an, der Rest starrte nur wortlos auf das was sich da abspielte. Der Übeltäter selber wusste auch nicht so genau was er da tat, aber was ich in dem Moment da fühlte, war etwas, was ich noch öfter fühlen sollte. Der Anblick auf den Armen Kerl, der sich da für ein paar Kröten anpissen lies erweckte nicht nur Mitleid, sondern ich konnte die ‚Macht‘ im Raum förmlich riechen. Ich dachte lange es wären dort allen so gegangen, aber mittlerweile denken ich, dass sie eher aus Scham nie mehr darüber gesprochen haben. Auch wenn ich heute denke, dass einfach niemand darüber nachgedacht hat, welche Folgen dieser ‚Spaß‘ haben kann, so fühle ich noch immer ein merkwürdiges Ziehen in der Magengegend…